Archiv für Mai 2009

Simpad mit Angström Linux und Konqueror

Ich habe vor ein paar Wochen ein Simpad SLC geschenkt bekommen – dabei handelt es sich um einen Mini-Tablet PC den Siemens 2000 bis 2001 verkauft hat. Er hat einen 9-Zoll Touchscreen, 200 MHZ StrongARM Prozessor, 64 MB Ram und 32 MB Flash. Man kann das Gerät über eine PCMCIA Karte mit Wlan versorgen – oder man erweitert den Festplattenplatz mit einer CF Karte im PCMCIA Adapter.  Bei eBay gehen die Geräte derzeit für unter 50 Euro über den Ladentisch (neu und mit Garantie).

Das Gerät wird mit Windows CE.net 4.0 ausgeliefert – dazu gehört auch der IE 5. Gelinde gesagt ist das Betriebssystem unerträglich langsam – da das System keinen Ausschalter hat, sondern nur in Standby versetzt werden kann müllt Windows sich nach und nach (sprich innerhalb von zweimal Anschalten) so zu, dass an produktives Arbeiten (z.B. Spiegel-Online lesen) nicht zu denken ist. Totaler Mumpitz also.

Zu Glück gibt es mit Angström Linux eine Alternative, die sogar mit Linux Kernel 2.6 arbeitet – einzig die Soundausgabe will damit nicht laufen.  Da mit Angstroem auch Konqueror 2007 funktioniert, der unzweifelhaft besser und performanter läufte als IE 5, habe ich mich entschieden Wind CE.net zu entsorgen und das Pad neu zu flashen.

Man kann das Simpad nur über ein Simpad Datenkabel (D-Sub auf Lumbard Stecker) flashen – das sieht zwar genauso aus, wie ein altes Siemens Datenkabel für S25 Handys, ist aber leider völlig einmalig belegt – man kann also wirklich nur dieses sehr spezielle Kabel verwenden – ich hatte kein solches Kabel und leider kann man sie auch nirgendwo mehr kaufen, da Siemens den Support irgendwann eingestellt hat. Jörg hat mir freundlicherweise dabei geholfen ein Kabel zu löten und nach 2 Stunden Fummelarbeit hatten wir ein sehr fragiles Datenkabel hergestellt.  (Pin-Belegung für beide Stecker gibts bei www.opensimpad.org).

Also zuerst einmal nach der Anleitung von opensimpad ein Update für den Bootloader eingespielt – dann einen neuen Bootloader von handheld.org installiert. Erstaunlicherweise hat das Kabel gehalten. Tipp: Die ganze Prozedur wenn möcglich unter Linux oder Windows XP durchführen, da mit Hyper Terminal (Programme>Zubehör>Kommunikation) (oder minicom) hier gleich kostenlose Terminal Emulatoren zur verfügung stehen.

Nach dem Einspielen des X11-Images von der CF Karte setzte erstmal Ernüchterung ein – ziemlich schreckliche Oberfläche und die Kallibrierung des Touchscreens funktionierte so schlecht, dass der Spaß sich doch arg in Grenzen hielt. Zum Glück bietet Angström auch eine Alternative mit der GUI OPIE, die extra für mobile Geräte entwickelt wurde. Nach ein paar Minuten hatte ich das gräßliche X11 System überschrieben und OPIE gestartet – ich bin immer noch begeistert – OPIE bietet wirklich sehr viel gute Funktionen in ansprechender Form – z.B. gleich eine vernünftige Verwaltung von WLAN-Devices – kein Vergleich zum X11 oder dem gruseligen CE.net Treiber.

Nachdem Angström lief habe ich erstmal ein Systemumdate gestartet – hier trat dann leider das Problem auf, dass der Flashspeicher des Sympads sofort vollief und das System dannach nicht einmal mehr booten wollte. Daher hier ein wichtiger Ratschlag:

Nach dem Download der Paketliste erstmal die Listen, die man eh nicht braucht (Python, Perl, debug) gleich wieder löschen – der Ort dieser Listen wird im Paketmanager von OPIE über ein Interface festgelegt – die ganzen Shell-Arbeiten gehen natürlich über den Terminalemulator viel schneller als über den Touchscreen (es sei denn man schafft es ein Keyboard an den Com-Port zu löten ;-)

Danach das System erstmal neustarten – df in der Console offenbart, dass der Flash-Speicher jetzt zu 94% voll ist. Das reicht dafür, die OPIE Kernpakete mit dem Paketmanager oder über ipkg upgrade zu aktualisieren. Danach sind noch 1-2% des Speicherplatzes frei (also weit unter einem MB) – das reicht nicht für Konqueror-embedded – also (Tipp 2) sollte man Platz schaffen, indem man alle restlichen ipkg Listen per Hand löscht (also nur die Update-Paketlisten natürlich) – das sollte normalerweise immer noch nicht genug sein – am besten noch ein paar der mitinstallierten PIM Pakete löschen (z.B. das Point und die TODO Listen) – am besten direkt mit dem Paketmanager im OPIE. Da ich ja die Update-Listen zuvor gelöscht hatte um Platz zu gewinnen habe ich das Konqueror-embedded und das benötigte libstdc++ Paket direkt am PC auf die CF geladen (aus dem Angströem Package Browser) und dann am Simpad einfach mit ipkg install <paketname des heruntergaladenen ipkg Paketes> installiert.  Konqueror-embedded funktionert erst nachdem man die OPIE Kerndateien auf den neuesten Stand gebracht hat!

Um HTML-Dateien von der lokalen CF Karte öffnen zu können war es bei mir notwendig, die Karte mit dem ext2 Betriebssystem zu formatieren – dazu einfach die Karte ins Simpad einstecken und in der Console mit
mke2fs /dev/hdc1 (die genaue bezeichnung – z.B. /dev/hda oder so erfährt man ganz einfach, indem man die PCMCIA Karte mit der CF Karte aus dem Simpad nimmt während der Terminalemulator verbunden ist) formatieren (parted ist nicht installiert) – dannach wurde die CF Karte als /media/hda gemounted. Unter Windows kann man dann mit Total Commander (Shareware ohne Funktionseinschränkung)  und dem ext2 Plugin auf das Laufwerk zugreifen – mit dem ext2 opensource Treiber für Windows von sourceForge hatte ich Probleme aber bei anderen scheint er zu funktionieren.

Unter Linux kann man die Wlan Karte sogar dank wpa_supplicant in einem WPA Netz betreiben – eine Anleitung mit Beispiel gibt es auch auf opensimpad.org – ein bisschen fummeln muss man evtl noch um die Config zum laufen zu bekommen – aber zu wpa_supplicant gibt es auch viele gute deutsche Tutorials im Netz.

Jetzt habe ich ein wesentlich performanteres System mit guter Touchscreen Unterstützung, WPA Support und einem halbwegs modernen Browser :-)

Ich glaube meine Nerd-Merit-Bagdes habe ich mir mit diesem Projekt redlich verdient :-)

Meinungsfreiheit an deutschen Bussen endet an der Kirchentür

Während wir in Bussen und Bahnen immer wieder mit Plakaten wie „Jesus rettet“ und „Wer Jesus hat, hat das Leben“ (z.B von der Plakatmission) beglückt werden (auch in Bremen und Hamburg), so wird die Kamapagne von Atheisten mit dem Spruch „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott – ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben“ von Verkehrsbetrieben im ganzen Bundesgebiet abgelehnt – es würden die Gefühle von gläubigen Menschen verletzt.

Ich kann nicht vestehen, wie eine derart moderate Aussage jemanden verletzen kann – es ist mir auch unbegreiflich, warum Verkehrsbetriebe meinen, dass sich Atheisten im Gegenzug nicht ebenso von christlichen Missionsplakaten belästigt fühlen, die oft viel zugespitzter formuliert sind (www.bibelplakat.de). Katholische Bischöfe dürfen in aller Öffentlichkeit predigen, dass Atheismus die Wurzel des Faschismus und der Gräuel des Kommunismus ist, aber bitte keine Kritik am religiösen Weltbild äußern, denn das ist intollerant und beleidigt die Gefühle der Christen.

In was für einem Land leben wir eigentlich? Wo bleibt die öffentliche Empörung, dass Atheisten in Deutschland so offen diskrminiert werden? Kein Verkehrsbetrieb würde sich weigern eine jüdische oder muslimische Buskampagne laufen zu lassen (ausgenommen derer, die garkeine weltanschauliche Werbung annehmen) – aber beim Atheismus hört der Spaß auf – dieses Verhalten zeigt warum es wichtig ist, dass Atheisten sich zeigen und offen in der Gesellschaft auftretet – nur so kann solchem religiösen Fundamentalismus die Stirn geboten werden.

Subjekt-Verb-Objekt

diese einfache Regel würde auch Phischern helfen:

„Sehr geehrter PayPal-Kunde,

Aufgrund der jüngsten betrügerische Aktivitäten auf einige PayPal online
konten wir starten eine neue Security-System zu machen
PayPal-Online-Konten mehr sicher und sicher. Bevor wir können
aktivieren wir werden prüfen alle PayPal-Online-Konten, um zu bestätigen,
die Authentizität des Inhabers.

Wir benötigen eine Bestätigung, dass Ihr Konto wurde noch nicht
gestohlen oder gehackt. Ihr Konto wurde noch nicht ausgesetzt oder eingefroren.“
„konten wir starten eine neue Security-System zu machen“ – das klingt wie Pavel Chekov
:-)

3 Monate Elternzeit

Ich finde es sehr positiv, dass es Elternzeit gibt – dass es vor allem auch die Möglichkeit für Väter wie mich gibt auch ein paar Monate aus dem Beruf auszusteigen um Zeit mit dem Kind zu verbringen. Durch diese Situation bin ich allerdings auch sehr sensibilisiert für die festgefahrenen Rollenbilder, die immer noch in vielen Bereichen der Gesellschaft vorherrschen – ein kleines Beispiel: Ich stehe mit dem Kinderwagen (ohne meine Frau, denn die geht ja arbeiten) am Serviceschalter eines Baumarktes – vor mir steht eine weibliche Kundin – als diese fertig ist, winkt die Servicekraft die Frau, die in der Schlange hinter mir steht heran – wohl in der Annahme, dass ich zu der Frau, die sie eben bedient hatte gehören würde. Die Kundin hinter mir teilt anscheinend diese Ansicht und geht wie selbstverständlich an mir vorbei an den Schalter – als sie dann fertig ist, ruft die Servicekraft den Mann auf, der in der Schlange hinter mir ansteht – ich hätte wahrscheinlich noch den restlichen Tag dort stehen können…

Wir lernen: Männer, die einen Kinderwagen schieben sind niemals allein, sondern werden immer von einer weiblichen Angehörigen begleitet.

Neulich war ich mit Till Klamotten (für ihn) kaufen – und musste mich den andauernden guten Ratschlägen von Kassierinnen und älteren Damen erwehren, die fragten, ob ich mir sicher wäre, dass die Kleidung nicht zu klein sei, oder die meinten, mich belehren zu müssen, dass ich doch lieber Lätzchen mit Klettverschluss kaufen sollte – leider hätte ich zu diesem Zeitpunkt meinen Sohn im Klett-Lätzchen einwickeln können und man hätte ihn nicht mehr gesehen.

Wir lernen: Frauen wissen auf jeden Fall besser über die Bedürfnisse von Babys Bescheid als der Vater des Kindes, auch, wenn Sie das betroffene Kind garnicht kennen.

Auch mal eine lustige Übung für alle Väter, die derzeit noch keine Kinder haben, aber evtl. darüber nachdenken bald Nachwuchs zu bekommen – einfach mal ein paar der Zeitschriften durchsehen, die sich mit dem Thema „Baby“ beschäftigen. Eine Kommentatorin in einem Elternforum meinte neulich, dass die Zeitung „Eltern“ besser „Mutti“ heißen sollte – und traf damit ziemlich genau meine Wahrnehmung der deutschen Presse-, Radio- und TV-Landschaft – nicht nur Babyzeitschriften kennen den Vater nur als Wochenend und Feierabendpapa, der dann mit dem Sohn Fußballspielen geht, auch Radio- und TV- Programme – öffentlich Rechtliche, wie das ansonsten recht untadelige NDR-Info genauso wie die wunderbare Welt des Privatfernsehens wissen anscheinend aus zuverlässigen Quellen, dass das Wort „Vater“ im Zusammenhang mit Erziehung und Babies nur in einem Schwung mit Formulierungen wie „am Wochenende“, „nach Feierabend“ oder „wenn Mama mal am Abend mit der Freundin telefoniert“ genannt werden sollte (letzteres natürlich nur am Wochenende oder nach Feierabend (des Vaters natürlich). Die deutsche Presse kommuniziert erfolgreich das althergebrachte Familienbild, sei es aus Unachtsamkeit oder aus Unaufmerksamkeit oder aus Prinzip.

Wir lernen: Glaubt man der deutschen Presse, so ist Papa am Wochenende fürs Fußballspielen zuständig – Mama kocht und kümmert sich um die Kinder

Erwähnenswert sind natürlich auch noch „Mutter-Kind-Gruppen“ oder „Mutter-Kind-Frühstücken“ – damit stehen mit Konstrukten wie „Baby-Schwimmen“ doch wunderbar neutrale Formulierungsvorbilder zur Verfügung. Eben gerade habe ich im Hamburger Abendblatt (das wir nur wegen des Lokalteils abonniert haben ;-) einen Artikel darüber gelesen, dass es in deutschen JVAs 90 Plätze ich Mutter-Kind-Häusern gibt, in denen Mütter mit ihren Kindern zusammen ihre Zeit absitzen können – ich finde, dass das  eine tolle Einrichtung ist – jetzt raten wir mal wie viele Vater-Kind Knast-Plätze es gibt. Diese Überlegung kam mir zu Beginn selber komisch vor – aber warum eigentlich? Warum sollten nicht auch Väter ihre Zeit im Knast mit ihren Kindern verbringen dürfen und warum sollte dass nicht auch die Sozialprognose der Väter verbessern? Weil Mütter die besseren Mütter sind?

Ich mache es jetzt jedenfalls zu meiner Mission immer wieder darauf hinzuweisen, dass auch Väter nicht zwangsweise Kinder nur zum Fußballspielen nutzen und das Frauen ihre Diskrminierung (z.B. durch generell niedrige Löhne) immer noch selber festigen, indem sie das Rollenbild, dass diese Diskriminierung hervorbringt unterbewusst oder bewusst fördern und durchsetzen … vor allem die Autorinnen der „Eltern“.

Der Kleine ist wieder wach, deswegen muss ich jetzt los …  zum Baumarkt


Ich bei del.icio.us