Ich finde es sehr positiv, dass es Elternzeit gibt – dass es vor allem auch die Möglichkeit für Väter wie mich gibt auch ein paar Monate aus dem Beruf auszusteigen um Zeit mit dem Kind zu verbringen. Durch diese Situation bin ich allerdings auch sehr sensibilisiert für die festgefahrenen Rollenbilder, die immer noch in vielen Bereichen der Gesellschaft vorherrschen – ein kleines Beispiel: Ich stehe mit dem Kinderwagen (ohne meine Frau, denn die geht ja arbeiten) am Serviceschalter eines Baumarktes – vor mir steht eine weibliche Kundin – als diese fertig ist, winkt die Servicekraft die Frau, die in der Schlange hinter mir steht heran – wohl in der Annahme, dass ich zu der Frau, die sie eben bedient hatte gehören würde. Die Kundin hinter mir teilt anscheinend diese Ansicht und geht wie selbstverständlich an mir vorbei an den Schalter – als sie dann fertig ist, ruft die Servicekraft den Mann auf, der in der Schlange hinter mir ansteht – ich hätte wahrscheinlich noch den restlichen Tag dort stehen können…
Wir lernen: Männer, die einen Kinderwagen schieben sind niemals allein, sondern werden immer von einer weiblichen Angehörigen begleitet.
Neulich war ich mit Till Klamotten (für ihn) kaufen – und musste mich den andauernden guten Ratschlägen von Kassierinnen und älteren Damen erwehren, die fragten, ob ich mir sicher wäre, dass die Kleidung nicht zu klein sei, oder die meinten, mich belehren zu müssen, dass ich doch lieber Lätzchen mit Klettverschluss kaufen sollte – leider hätte ich zu diesem Zeitpunkt meinen Sohn im Klett-Lätzchen einwickeln können und man hätte ihn nicht mehr gesehen.
Wir lernen: Frauen wissen auf jeden Fall besser über die Bedürfnisse von Babys Bescheid als der Vater des Kindes, auch, wenn Sie das betroffene Kind garnicht kennen.
Auch mal eine lustige Übung für alle Väter, die derzeit noch keine Kinder haben, aber evtl. darüber nachdenken bald Nachwuchs zu bekommen – einfach mal ein paar der Zeitschriften durchsehen, die sich mit dem Thema „Baby“ beschäftigen. Eine Kommentatorin in einem Elternforum meinte neulich, dass die Zeitung „Eltern“ besser „Mutti“ heißen sollte – und traf damit ziemlich genau meine Wahrnehmung der deutschen Presse-, Radio- und TV-Landschaft – nicht nur Babyzeitschriften kennen den Vater nur als Wochenend und Feierabendpapa, der dann mit dem Sohn Fußballspielen geht, auch Radio- und TV- Programme – öffentlich Rechtliche, wie das ansonsten recht untadelige NDR-Info genauso wie die wunderbare Welt des Privatfernsehens wissen anscheinend aus zuverlässigen Quellen, dass das Wort „Vater“ im Zusammenhang mit Erziehung und Babies nur in einem Schwung mit Formulierungen wie „am Wochenende“, „nach Feierabend“ oder „wenn Mama mal am Abend mit der Freundin telefoniert“ genannt werden sollte (letzteres natürlich nur am Wochenende oder nach Feierabend (des Vaters natürlich). Die deutsche Presse kommuniziert erfolgreich das althergebrachte Familienbild, sei es aus Unachtsamkeit oder aus Unaufmerksamkeit oder aus Prinzip.
Wir lernen: Glaubt man der deutschen Presse, so ist Papa am Wochenende fürs Fußballspielen zuständig – Mama kocht und kümmert sich um die Kinder
Erwähnenswert sind natürlich auch noch „Mutter-Kind-Gruppen“ oder „Mutter-Kind-Frühstücken“ – damit stehen mit Konstrukten wie „Baby-Schwimmen“ doch wunderbar neutrale Formulierungsvorbilder zur Verfügung. Eben gerade habe ich im Hamburger Abendblatt (das wir nur wegen des Lokalteils abonniert haben
einen Artikel darüber gelesen, dass es in deutschen JVAs 90 Plätze ich Mutter-Kind-Häusern gibt, in denen Mütter mit ihren Kindern zusammen ihre Zeit absitzen können – ich finde, dass das eine tolle Einrichtung ist – jetzt raten wir mal wie viele Vater-Kind Knast-Plätze es gibt. Diese Überlegung kam mir zu Beginn selber komisch vor – aber warum eigentlich? Warum sollten nicht auch Väter ihre Zeit im Knast mit ihren Kindern verbringen dürfen und warum sollte dass nicht auch die Sozialprognose der Väter verbessern? Weil Mütter die besseren Mütter sind?
Ich mache es jetzt jedenfalls zu meiner Mission immer wieder darauf hinzuweisen, dass auch Väter nicht zwangsweise Kinder nur zum Fußballspielen nutzen und das Frauen ihre Diskrminierung (z.B. durch generell niedrige Löhne) immer noch selber festigen, indem sie das Rollenbild, dass diese Diskriminierung hervorbringt unterbewusst oder bewusst fördern und durchsetzen … vor allem die Autorinnen der „Eltern“.
Der Kleine ist wieder wach, deswegen muss ich jetzt los … zum Baumarkt

Oh Jan,jetzt haben wir wirklich viel gelernt!Ich bin erstaunt,wirklich,hätte ja nicht gedacht,dass Väter so diskriminiert werden
, man wir leben ja wirklich noch in der Steinzeit.
Übrigens hat letztens ein Knasti bei Domian angerufen und sich beschwert,dass er seine Kinder nicht mitnehmen kann.Na ja,ich fand das Ganze nur etwas überflüssig,weil die Kinder noch eine Mutter hatten,die halt nicht im Knast saß und sich gut um die kümmern konnte.Ich find in dem Fall sollte man wohl jedem Kind sparen,im Knast aufzuwachsen??!!?Das sollte wohl nur die Ausnahme sein,denkst du nicht?Stell dir mal vor,du wirst im Gefängnis groß…obwohl,vielleicht ist man dann ja auch DER Renner weil man die Leute in der Schule immer in den Knast einladen kann…die finden das bestimmt spannend und können dann auch gleich gute Kontakte knöpfen.
Aber ich schweife ab.Lass dich nicht unterkriegen.Mütter sind bestimmt nicht die besseren Mütter als Väter.Sie haben nur keine Brüste.